Nicht-europäische Blicke auf die EU

von Luise Porst

Wie nicht-europäisch kann ein Blick auf die EU sein, wiedergegeben aus der Feder einer Europäerin? Gewiss kann man sich einen Einblick verschaffen in die Sichtweise einer anderen Kultur/eines anderen Landes bezüglich der EU, in die Einstellung dazu, die Vorstellungen, die Trugbilder. Dennoch will ich eine solche Sichtweise einmal versuchen darzustellen, und zwar am Beispiel der Region Ostafrika/dem Land Tansania.

Welche Rolle spielt die EU in Ostafrika; die Europäische Union, als politische Institution, als wirtschaftliche, soziale, kulturelle sowie politische Einheit? Zweifelsohne richtet sich der Blick auf außenpolitischer und diplomatischer Ebene sowie in der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit auf die EU, wenn auch in geringerem Maß als auf Süd- und Ostasien. Ebenso stand die EU Modell bei der Formierung der, nahezu alle Staaten Afrikas, und so auch Tansania, umfassenden Afrikanischen Union (AU, vormals OAU), insbesondere bei deren Constitutive Act (Gründungsvertrag).

Davon abgesehen erfährt man allerlei allgemeine tansanische Sichtweisen auf Europa – Klischees, Skurriles, Treffendes – jenseits des politischen und diplomatischen EU-Fokus’.

Europas saubere Straßen, kleine Familien, hochrangige Fußballclubs, sein hohes Bildungsniveau, das viele Geld, das die Menschen dort besitzen und nicht zu vergessen, die fünf Kilogramm Körpergewicht, die jeder Europäer im Winter verliert, weil es dort so irrsinnig kalt ist. Dies sind nur einige Aspekte des tansanischen Europa-Bildes.

Nun, und nicht zuletzt umfasst der nicht-europäische Blick die vielen wazungu (die Weißen), die es nach Tansania verschlägt, ob als Reisende, als Freiwillige, als Mitarbeiter internationaler Organisationen oder global agierender Unternehmen (Letztere ganz im Zeichen des Neokolonialismus). Einen wesentlichen Teil dieser Gruppe stellen auch die Europäer dar. Und von dort fällt  der Blick dann unweigerlich auf die tatsächliche, konkrete Außenverbindung der „Fortress Europe“, die für ihre Bürger zwar leicht in beide Richtungen passierbar ist, für so viele andere hingegen eine unüberwindbare Hürde darstellt. Eben diese Einbahnstraße, spätestens jedoch, so die beschwerliche Reise darauf in der nicht vorgesehenen Richtung einmal gelungen ist, die Festungsmauern an den Außengrenzen der EU sind es, die sämtliche Perspektiven, die Europa aus der Ferne zu bieten scheint, zunichte macht, wird man doch dort unverzüglich mit dem Status der Illegalität versehen.

Es sollte klar sein, dass hier kein Vergleich der EU mit paradiesischen, für jeden ‚Afrikaner’ erstrebenswerten Zuständen angestellt werden möchte – davon abgesehen, dass dies unzweifelhaft in enormer Diskrepanz zur Realität stände. Ohnedies stellt das Verlassen der Heimat nur für einen Bruchteil eine echte Alternative dar und dennoch – der Unmut über die Nachteile für Nicht-Mitglieder und damit einhergehende Disparitäten, die die Existenz der EU auch nach sich zieht, gehört zum nicht-europäischen Blick auf die Europäische Union dazu.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Big EU

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s